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wo sind all die indianer hin

Aktualisiert: Aug 3

Einer von ihnen wurde von einer venezolanischen Familie adoptiert und wuchs in einer Kleinstadt auf, ging dort zur Schule und lernte lesen und schreiben. Er hieß Cesar. Als Erwachsener kehrte er zu seinem Heimatstamm, den Tauripan, in den venezolanischen Dschungel zurück. Er lebte dort im Haus von Pepe, bald heiratete er eine Indianerfrau, sie bekamen eine Tochter und die kleine Familie lebte weiterhin bei Pepe, seiner Frau und deren Kindern. Cesar arbeitete nicht gerne, daher ernährten er und seine Familie sich von dem, was Pepe anpflanzte. Das passte beiden ganz gut, denn Pepe arbeitete sehr gerne und Cesar war froh, dass er von ihm nicht verlangte, ihm im Garten zu helfen. Das einzige woran Cesar ein wenig Freude hatte, war die Jagd und das Fischen. Gelegentlich ging er also jagen und fischen und teilte seine Beute mit Pepe und dessen Familie.

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Nach 5 Jahren im Indianerdorf beschloss Cesar einen eigenen Garten anzulegen, Pepe half ihm sehr gerne dabei, Cesar hatte ja schließlich keinerlei Erfahrung. Cesar hat sich ganz frei aus eigenen Stücken dafür entschieden, es hatte ihn in all den Jahren niemand dazu gedrängt. Alle im Dorf waren froh über Cesars Entscheidung, wurde er doch zunehmend unzufriedener und gereizt. Pepe kommentierte lachend: "Cesar wollte sich einen eigenen Garten anlegen, aber er wusste es selbst nicht." Er fand es durchaus komisch, dass es jemanden gab, der nicht wusste, was er tun wollte. In dieser indianischen Sprache gibt es gar kein Wort für Arbeit, nur eines für Geschäfte, die man mit Nicht-Indianern machte: tarabaho. Das scheint das einzige Wort in der Indianersprache zu sein, das aus dem Spanischen abgeleitet wurde, das spanische Wort für Arbeit ist "trabajo". Die meisten Indianer kannten diesen Begriff nur vom Hörensagen, er hatte keinerlei Bedeutung in ihrem Alltag. Indianer machten keinen Unterschied zwischen Arbeit und anderen Arten ihre Zeit zu verbringen. Es gab keinen Indianer, der nicht wusste, was er tun will im Leben. Spätestens beim Initiationsritual mit 15 Jahren begegnet der Indianerjunge - nachdem er Todesangst durchgemacht hat - seiner Seelenaufgabe. Das Ritual dauert wenige Tage, ist also eine Heldenreise im Schnelldurchgang.


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In unserer Gesellschaft zeigt sich dieses angeborene Gefühl sich körperlich betätigen zu wollen, in Freizeitbeschäftigungen wie Golfen oder Gartenarbeit. Da dies völlig ohne Zwang und Zweck geschieht, schafft es der westliche Mensch diese Tätigkeit zu genießen, so wie der Indianer jegliche Tätigkeit genießt, ob es Jagen, Wasserholen oder Hausbau ist. In unserer westlichen Gesellschaft führt ein weit verbreitetes Gefühl der Unzufriedenheit zu einer Suche nach dem Unbekannten. Jean Liedloff sieht den Ursprung dieses Mangelgefühls eng mit dem Kontinuum-Konzept verbunden, das sie meiner Meinung nach sehr einleuchtend in ihrem Buch "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück" erklärt. Nachdem unsere evolutionsbedingten - oder archetypischen Erwartungen und Bedürfnisse wie C.G. Jung sagt - schon als Baby nicht erfüllt worden sind, haben wir auch als Erwachsene kein Gefühl mehr für die Rechte, die uns als Mitglieder der menschlichen Gattung zustehen und akzeptieren nicht nur Langeweile, sondern unzählige weitere Übergriffe auf unsere menschliche Natur. Aus schlaflosen Babies werden schlafende Erwachsene, die bis zum Tod schlafen, wenn es vorher kein spirituelles Erwachen gibt, das für jeden jederzeit möglich ist, unabhängig von der eigenen Kindheit oder sonstigen Erfahrungen.


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Je mehr eine Kultur vom Kontinuum abweicht, desto mehr Druck wird vermutlich auf den Einzelnen ausgeübt, damit er in seinem öffentlichen und privaten Verhalten eine Fassade der Konformität mit der Norm aufrechterhält.

Jean Liedloff, Autorin

Quelle:

Jean Liedloff: Auf der Suche nach dem verlorenen Glück

Bild von jagendem Indianer: TomaszProszek auf pixabay

Bild von Indianermädchen auf freepik.com

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