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  • Andrea

stummer spiegel

Den Großteil meines Lebens bin ich Vegetarierin und in meiner Teenagerzeit hatte ich hitzige Auseinandersetzungen mit meinen Eltern diesbezüglich. Je älter ich wurde, desto weniger Lust hatte ich auf Diskussionen zu diesem Thema, zumal nichts Neues dabei herauskam und sie mich zunehmend langweilten. Das führte sogar dazu, dass mir am liebsten war, wenn es niemand mitbekam, dass ich kein Fleisch esse. Beim Essen mit anderen Menschen kam das Thema natürlich unweigerlich auf den Tisch. Je bedeckter ich mich zu diesem Thema verhielt, desto aufgeladener und emotionaler wurde oftmals die Auseinandersetzung und am Ende wurde mir nicht selten vorgeworfen, dass ich mich moralisch überlegen fühlte. Auf meinen Einwand, dass ich doch kaum was gesagt hätte, ließ man mich wissen, dass gerade das, den Eindruck von Arroganz und Überlegenheit vermittelte. Ich verstand damals die Welt nicht mehr, denn das war nicht meine willentliche Intention. Wie ich mein Unterbewusstsein beeinflussen kann, wusste ich damals noch nicht und so löste ich das Dilemma für mich, indem ich Essen in Gesellschaft vermied.


Durch die Beschäftigung mit psychologischen Themen in den letzten Monaten verstand ich, was sich damals abspielte. Wenn jemand auf irgendeine Weise die "Norm" sprengt, führt die bloße Anwesenheit eines solchen unkonventionellen Menschen dazu, dass andere Menschen ihre Lebensweise hinterfragen und sich gleichzeitig angegriffen fühlen. Ein anderer Mensch dient ja immer als Spiegel und der muss gar nichts sagen, um gewisse Themen beim anderen hervorzurufen. Man fragt sich dann immer, warum regt sich denn dieser Mensch über etwas auf, was ihn doch scheinbar in keiner Weise betrifft oder einschränkt?


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Seit Monaten versuche ich bewusst und vermutlich seit Jahren unbewusst einen Menschen in meinem Umfeld zu erreichen. Nicht telefonisch, sondern auf der Gefühlsebene. Anfangs provozierte ich gerne mit meiner unkonventionellen Meinung zu ziemlich allen Lebensbereichen um ihm zumindest eine eigene Meinung oder eine Gefühlsäußerung jeglicher Art abzugewinnen. Das gelang mir nicht, denn nach dem Motto "die ist eh komisch", erlangte ich mit meiner Meinung keinerlei Aufmerksamkeit und auch kein Entsetzen oder sonstige Reaktion. In letzter Zeit erzählte ich sehr persönliche Dinge über mich und gestand auch Fehler und Schwächen ein, in der Hoffnung dieser Mensch würde sich auch nur ein wenig öffnen, hinterfragen oder irgendwelche Gefühle rauslassen. Ich wünschte diesem Menschen so sehr, dass er sich auch nur ein bisschen mit sich selbst auseinandersetzen kann um auch nur ein wenig inneren Frieden und weniger Stress zu erfahren. Vor ein paar Wochen gestand ich mir ein, dass ich es wohl niemals schaffen werde, diesen Menschen mit Worten zu erreichen, zumal er meine Texte nicht liest. Bei unserer letzten Begegnung bestätigte sich dieser Eindruck, ich resignierte, war enttäuscht von mir selbst, gekränkt, dass ich so wenig Gehör fand und behielt bewusst meine Meinung zu jeglichem Thema und meine persönlichen Geschichten für mich. Je ruhiger ich wurde, desto nervöser und innerlich unruhiger wurde mein Gegenüber. Es verunsicherte ihn scheinbar ungemein, dass ich nicht wie immer meinen Senf zu allem reichte. Die Stimmung war angespannt und wir hatten ein paar Tage keinen Kontakt bis ich mich telefonisch meldete und mich für mein Verhalten entschuldigte. Der Mensch am anderen Ende sagte, dass eine Entschuldigung auch das Mindeste wäre, denn er kam sich wie ein Idiot vor und dachte, es lag an ihm und dass er alles falsch machte, weil ich ihn permanent kritisiert und runtergemacht hätte. In solchen Momenten denke ich, dass ich in einer anderen Matrix gelebt habe und höre mich reflexartig sagen: Ich habe doch gar nichts gesagt, du hast doch... Bei diesem Gespräch konnte ich mir das verkneifen, denn mir ist inzwischen klar, dass die andere Person nicht lügt, für sie ist das Wirklichkeit, was für sie wirkt. Erzähle ich nun meine "andere" Wirklichkeit, stehe ich in ihren Augen als Lügnerin da und die Trennung wird noch unüberbrückbarer. "Ich lasse mir jetzt gar nichts mehr gefallen, mache nur noch was mir gefällt ohne Rücksicht auf andere," ließ sie mich wissen. Da fiel mir auf, dass ich genau das unter anderem die letzten Monate gepredigt hatte und jetzt wo ich aufgab und nichts mehr erreichen wollte, habe ich scheinbar unwillentlich eine solche Gefühlslawine ausgelöst. Ich hatte diesem Menschen auch mehrmals erzählt, dass für mich die Lösung in der Stille liegt. Damit meinte ich Meditation und nicht, dass ich in Gegenwart dieser Person still wäre. Ich hatte mir das natürlich anders vorgestellt: Ich wollte auf irgendeine Weise dazu beitragen, dass dieser Mensch unangenehme Gefühle zulässt, durch Schmerzen geht um danach ein Stück weit von seinem Leiden erlöst zu werden. Der positive Nebeneffekt dabei wäre, dass auch unser Verhältnis besser sein würde und der Mensch mir ewig dankbar sein würde, dass ich ihm geholfen habe.

Jetzt war ich tatsächlich der Auslöser, dass sich dieser Mensch mit unangenehmen, schmerzhaften Gefühlen wie Wut und Hass und Glaubenssätzen wie Es ist mein Fehler, ich bin zu dumm, ich mache alles falsch etc. auseinandersetzt. In meiner Vorstellung war ich hingegen der Heilbringer und nicht das Hassobjekt. Am wichtigsten war mir allerdings, dass es diesem Menschen besser geht auf welchem Weg auch immer und ich bin davon überzeugt, dass er sich nach diesem schmerzhaften Prozess besser fühlt, es kann gar nicht anders sein. Auch wenn dieser Mensch noch nicht an dem Punkt ist, Eigenverantwortung zu übernehmen, sich also immer noch in der Opferrolle befindet und anderen (in diesem Fall mir) die Schuld gibt, dass es ihm schlecht geht, lässt er dennoch seine Gefühle heraus und verdrängt sie nicht mehr. Darüber bin ich sehr froh und auf eine paradoxe Art und Weise stelle ich mich gerne als Sündenbock zur Verfügung für einen guten Zweck sozusagen, auch wenn mir dieser Mensch sicherlich niemals dankbar sein wird für meinen Dienst und wer weiß, wie sich das zukünftig auf unsere Beziehung auswirkt.

Anfangs überlegte ich natürlich, was ich denn gesagt habe, was bei meinem Gegenüber eine solche Krise ausgelöst hatte und es war alles andere als ein angenehmes Gefühl dafür "verantwortlich" zu sein, dass ein Mensch nachts nicht schlafen kann, tagsüber heult und sich selbst abwertet. Ich habe selbst erlebt, wie heilsam solch eine unangenehme Phase sein kann, daher wünsche ich sie sowohl meinem ärgsten Feind als auch meinem nächsten Freund.


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Über eine ähnliche Phase und ihre Heilkraft berichte ich in meinem Buch "Rote Wirecard vom Universum", das im November im LebensGut Verlag erscheint und bereits HIER vorbestellt werden kann.


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Es ist leichter, zum Mars vorzudringen als zu sich selbst.

Carl Gustav Jung


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