masken und minimalismus

Aktualisiert: Apr 26

Da ich gerade faste, gibt es heute kein Rezept, sondern wieder einen Moralbeitrag.

Ich lese gerade viel vom Psychoanalytiker Erich Fromm und er sagte schon in den 60er Jahren nach 40 Jahren Berufspraxis, dass die meisten Menschen unglücklich sind und nur vorgeben, auch für sich selbst, glücklich zu sein. Sie tragen die Masken des Zufrieden- und Glücklichsein um den Kredit auf dem Markt nicht zu verlieren und nicht als Versager zu gelten. Wenn man hinter die Maske blickt, sieht man oftmals Unruhe, Neid, Stress, Nervosität und Schlaflosigkeit. Diese innere Leere wird dann mit übermäßigem, sinnlosen Konsum kompensiert. Mein erster Gedanke war darauf, wie dumm eigentlich von den Menschen, sich durch maßlosen Konsum zu outen, wo sie doch so darauf bedacht sind, niemanden hinter ihre Maske blicken zu lassen. Ich habe nie verstanden, wenn Menschen große Logos von teuren Marken zur Schau getragen haben, weil das für mich ein Hinweis auf geringes Selbstbewusstsein war, was man eigentlich nicht zeigen möchte, wenn ich von mir ausgehe. Ob es immer mit Selbstbewusstsein zu tun hat, ist fraglich, nach Fromm ist es aber jedenfalls ein Hinweis auf innere Leere und Angst. Gesellschaftlich ist Zwangskonsumption völlig akzeptiert, Übergewichtige werden dagegen kritisch beäugt, obwohl die Ursachen für beide Krankheiten meist dieselben sind. Krankheit wird nach Fromm nur als solche erlebt, wenn einer kränker ist als die anderen, aber wenn alle an derselben Krankheit leiden, taucht dieser Begriff gar nicht auf.


Die Erklärung für diese Volkskrankheit ist wohl, dass Menschen mit der Konsumption nach wie vor Freiheit und Glück verbinden. Ich kann mich natürlich auch noch an das gute Gefühl erinnern, wenn ich was Schönes gekauft habe oder ein Schnäppchen gemacht habe und gewisse Konsumgüter mir auch das Gefühl von Freiheit gegeben haben. Daraus entstand dann der Irrtum, dass mehr Konsum auch mehr Glück und Freiheit bedeuten muss, was definitiv falsch ist. Es wurde vielfach nachgewiesen, dass das Glück nur bis zu einem bestimmten Konsumniveau steigt, bis die Grundbedürfnisse gedeckt sind und dann auf einem konstanten Niveau bleibt. Die Freiheit kann sogar durch viel Eigentum wieder auf ein viel niedrigeres Niveau fallen. Der "homo consumens" macht sein Glück von Geld und Konsum abhängig, dadurch wird er ein schwacher und passiver Mensch. Die Industriegesellschaft schafft leere Menschen, die Sklaven ihrer Bedürfnisse sind. Fromm spricht sogar von einem Teufelskreis, da unser Wirtschaftssystem ängstliche und passive Menschen erzeugt, deren Existenz von anderen abhängt und die ihre daraus resultierende Angst durch Konsum lindern, was noch mehr Angst erzeugt, weil der Mensch nur aufnimmt und nichts aktiv macht. Je ängstlicher er wird, desto mehr muss er konsumieren. Je mehr er konsumiert, desto ängstlicher wird er. Dieser Teufelskreis ermöglicht unser kapitalistisches Wirtschaftssystem, welches übrigens ein lineares und kein Kreislaufsystem ist.


Ihr denkt vermutlich, dass ich sehr frustriert bin, weil ich momentan nichts essen kann und daher jeglichen Konsum verteufle. Ich freue mich sogar sehr darauf, bald wieder gutes Essen konsumieren zu können und darauf dass das Glücksgefühl selbst bei einem einfachen Essen größer als vorher sein wird. Ich gönne mir auch gerne hochwertige Dinge, die notwendig sind zum leben, also Lebensmittel. Die Moral der Geschichte ist wie so oft das richtige Maß zu halten und weniger hochwertige als viele unnütze Dinge zu konsumieren.


"Die Produktion von zu vielen nützlichen Waren führt zur Schöpfung von zu vielen nutzlosen Menschen."

Karl Marx, Philosoph, 1818 - 1883


https://www.youtube.com/watch?v=EAuliy6_v2g

https://www.youtube.com/watch?v=Z83Cf9DZAUg



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