klösterchen statt prösterchen

Meine Oma hatte immer Klosterfrau Melissengeist daheim und mir als Kind damit den Rücken eingerieben und auch ein paar Tropfen verdünnt gegeben, wenn ich krank war. Melisse wirkt beruhigend, stresslösend, nerven- und magenstärkend, antiviral, krampflösend und leicht regulierend auf die Schilddrüse.

Melissengeist hat durch Corona wieder neue Beliebtheit erlangt, weil ihn die Menschen als Desinfektionsmittel äußerlich verwendet haben. Dafür finde ich Melissengeist viel zu schade und zu teuer. Jedenfalls hat mich das auf die Idee gebracht, Melissengeist mal selbst zu machen und bei Fräulein Grün bin ich fündig geworden. Ich verwende allerdings 96%igen statt 40%igen Alkohol.


ZUTATEN


4 Hände voll Melissenblätter

unbehandelte Schale einer Zitrone

2 TL Nelken

1 Zimtrinde

2 TL Angelikawurzel (wenn vorhanden)

1 TL geriebene Muskatnuss

2 Kardamomsamen

5 Pfefferkörner

ca. 250 ml 96%iger Alkohol oder auch Wodka


Die sauberen und zerkleinerten Melissenblätter in ein Glas geben, das mindestens 300 ml fassen kann. Ich benutze gerne die Flaschen von passierten Tomaten, die haben einen breiten Flaschenhals und lassen sich gut schütteln. Da kommen dann die Nelken, eine zerkleinerte Zimtrinde, die Angelikawurzel und die geriebene Muskatnuss dazu. Alles mit Alkohol auffüllen und verschließen. Nun muss der Ansatz ca. 14 Tage an einem warmen Ort ausziehen. Danach alles abseihen und mit Wasser verdünnen. Mit diesem Alkoholrechner kann man ausrechnen, wie viel Wasser man zufügen muss, um einen bestimmten Alkoholgrad zu erreichen. Original Melissengeist hat 79%, um genau das zu erreichen mischt man zu den 250 ml Alkohol 53,8 ml abgekochtes oder destilliertes Wasser. Gekaufter Melissengeist ist klar wie ein Schnaps, da er destilliert ist. Das, was wir gemacht haben ist eine Tinktur oder auch Mazerat, wir haben die Inhaltsstoffe nur aufgeweicht im Alkohol und dabei lösen sich auch die Farbstoffe. Je stärker der Alkohol, desto mehr Farb- und Inhaltsstoffe lösen sich. Daher ist mein Melissengeist ganz dunkelgrün geworden. Der Geschmack kommt allerdings ziemlich nah ans Original ran.


Bäume wissen vom ersten bis zum letzten Tag, was sie wollen.

Erwin Thoma, Naturholzpionier und Autor



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