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jeder sieht den garten und keiner den spaten?

Wirklich jedes Mal wenn ich hier in Italien sage, dass ich einen Gemüsegarten habe, schallt mir folgendes Sprichwort entgegnet l´orto vuole l´uomo morto, was so viel bedeutet wie ein Gemüsegarten tötet einen Mann. Mein erster Gedanke war, dass es dabei eher um einen Reim als um eine tiefgründige Wahrheit ginge, zumal ich davon ausging, dass gerade hier in Italien Gartenarbeit eher Frauensache wäre. Tatsächlich kümmern sich hier meistens die Männer um den Garten, was vermutlich daran liegt, dass sie mit Traktor, Pflug und sonstigem Gefährt anrücken um das Land gefügig zu machen. Ich fühlte mich noch nie so gesund, entspannt und voller Energie wie jetzt mit dem Garten und muss daher oft an das Sprichwort denken. Dabei ist mir aufgefallen, wie viel Wahrheit doch in diesem Sprichwort steckt, denn die männliche Herangehensweise ans Gärtnern unterscheidet sich doch sehr von der weiblichen. Dem Unkraut und den Schädlingen wird der Krieg erklärt, was anfänglich gute Wirkung zeigt. Früher oder später organisiert sich die Natur und schlägt zurück, dann wird´s immer schwerer, der Mann kämpft und kämpft und am Ende ist er tot. Wie es aussieht, wenn die Natur einen Gegenangriff macht, konnten wir in den vergangenen Wochen in Deutschland sehen.


Ich habe jeden gutgemeinten Ratschlag der erfahrenen Landwirte hier in den Wind geschlagen und stattdessen im Internet nach Permakulturmethoden gesucht. Letztendlich habe ich es dann doch spontan und intuitiv anders gemacht, als zuvor im Internet gelesen. Wider Erwartung der Dorfbevölkerung konnte ich tatsächlich schon ernten und sogar mehr als ich selbst gehofft hatte. Dadurch dass ich keinerlei Erfahrungen mit Gartenbau hatte und Permakulturen im Gegensatz zu konventioneller Landwirtschaft von Jahr zu Jahr mehr Ertrag bringen, waren meine Erwartungen im ersten Jahr nicht hoch. Permakultur funktioniert nach dem weiblichen Prinzip, ein Arbeiten mit statt gegen die Natur. Es wird im Kreislauf gewirtschaftet, Abfälle gibt es nicht, alles ist Energie und wird wiederverwendet ohne von außen etwas zuzuführen. Das Ideal ist, dass alle Früchte an Ort und Stelle von Mensch und Tier verzehrt werden und die Exkremente dem Boden zurückgeführt werden. Dadurch wird dem Land auch kein Wasser entzogen. Rhythmische Schwankungen im Ertrag werden akzeptiert und nicht durch externe Düngung künstlich auf einem konstanten Niveau gehalten.


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Bei Obstbäumen gibt es eine natürliche Schwankung des Fruchtertrags im Zweijahresrhythmus, was als Alternanz bezeichnet wird. Apfel- und auch Olivenbäume haben also in einen Jahr viel Früchte, im darauffolgenden wenig, sie machen ein Sabbatical sozusagen. Aus den bekannten Gründen, können wir es uns in unserer Überflussgesellschaft nicht leisten, das einfach so hinzunehmen. Es wird geschnitten, künstlich gedüngt, gemacht und getan um den Ertrag konstant hoch zu halten - männliches Prinzip eben. Die Lösung ist natürlich nicht, dass nur Frauen Gartenarbeit machen sollen, denn auch Männer verfügen über die weibliche Energie und Frauen über männliche Energie. Es geht in unserer Zeit darum wieder ein Gleichgewicht herzustellen zwischen beiden Energien, nachdem die weibliche Energie viele Jahre lang unterdrückt und abgewertet wurde. Von Frauen wird erwartet ihren Rhythmus zu unterdrücken um im Berufsleben neben Männern bestehen zu können. In unserer modernen Gesellschaft sind viele Frauen mehr in der männlichen Energie als in der weiblichen. Auch Männer unterdrücken ihre weiche, sensible Seite. Interessanterweise fehlt es den Männern aber auch an männlicher Energie. Die Eigenschaften männlicher Energie werden in unserer Gesellschaft bei Frauen gerne gesehen, bei Männern schnell als machohaft abgetan. Dadurch entstehen gefährliche Ventile für diese männliche Energie. Je mehr Frauen wieder in ihre weibliche Energie kommen, desto leichter fällt es den Männern ihre männliche Energie wieder auf eine gesunde Weise zuzulassen. Intuition wird oft mit weiblicher Energie gleichgesetzt, tatsächlich bedarf es zur Aktivierung unserer Intuition und unserer Schöpferkraft ein Gleichgewicht zwischen männlicher und weiblicher Energie in uns.


Letzte Woche sagte mir ein Jäger, dass ich überhaupt keine Ernte gehabt hätte, wenn er nicht damals im Januar das trächtige Wildschwein in unserem Garten erlegt hätte. Mein Gemüsegarten ist eingezäunt, ein weiteres Kartoffelfeld ist ohne Zaun. Tierspuren und Kot weisen darauf hin, dass sich nachts sehr viele Wildtiere in unserem Garten aufhalten, Schäden haben sie bisher noch keine angerichtet. Meiner Meinung nach liegt es an der Fülle. Die Tiere haben, wie die Menschen hier auch, ein Überangebot an Futter und wissen gar nicht, was sie als erstes fressen sollen. Die Wildschweine entscheiden sich vermutlich für Trüffel. Aus Deutschland weiß ich, dass an Kirschbäumen keine einzige Kirsche bleibt, sofern sie nicht akribisch mit Netzen geschützt sind. Weder die Vögel noch wir haben geschafft, alle Kirschen von unserem Baum zu essen, findet man doch alle paar Meter einen weiteren Kirschbaum. Ich wollte dem Jäger dennoch zum Dank etwas von meiner üppigen Ernte abgeben, die wir zu zweit gar nicht bewältigen können. Er lehnte dankend ab mit der Begründung, er esse lieber Wildschwein.


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Alles was gegen die Natur ist, hat auf die Dauer keinen Bestand.

Charles Darwin (1809 - 1882)



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