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  • Andrea

hell in geraumen zeiten

Ich habe soeben die Biographie von Bert Hellinger gelesen, dem Begründer der Familienaufstellung. Die Rezension zum Buch findet ihr hier.


Das Buch hat mir viel gebracht, denn ich habe wieder angefangen regelmäßig zu meditieren, nachdem ich meine Meditationspraxis in letzter Zeit schleifen ließ, denn ich dachte, ich muss mich um die Vermarktung meines Buches kümmern und die gartenfreie Zeit im Winter für mein zweites Buch nutzen. Die Italiener würden sagen devo un cazzo, auf deutsch: einen Scheiß muss ich, zumal ich immer die Worte von Thomas Pennberg im Kopf habe, den ich auch schon hier in einem Beitrag zitiert habe: 1 Stunde innere Arbeit spart 10 Stunden im Außen. Hellinger hat als Mönch bis zu 16 Stunden am Tag meditiert. Auch später meditierte er mehrere Stunden am Tag, wenn auch nicht mehr so lange. Bei der Meditation kam er auf die Ordnungen der Liebe, auf die er seine Aufstellungsmethode später begründete und zu weltweiter Bekanntheit führte und er schrieb 100 Bücher, das letzte im Alter von 92 Jahren. So viel zum Thema Meditation wäre Zeitverschwendung, falls dir das dein Verstand auch immer einreden will. Hellinger beschreibt das Leerwerden während der Meditation als eine Zustimmung zur Welt wie sie ist, ohne die Unterscheidung von gut und schlecht. Das hat mich sehr angesprochen, denn das scheint mir gerade sehr wichtig. Ich habe mich auch dabei ertappt, dass ich durchaus überrascht um nicht zu sagen schockiert war, als ich beim Öffnen meines Email-Accounts Worte wie Lauterbach und Gesundheitsminister in einem Satz gelesen habe. Gedanken wie das geht jetzt aber zu weit, machten sich bei mir bemerkbar als Folge meiner mangelnden Meditationspraxis. Wenn man das Wort Gesundheitsminister mit Krankheitsminister ersetzt analog zum Krankenhaus wird schon wieder ein Schuh daraus. Inzwischen kann ich diese Entscheidung voll und ganz akzeptieren, denn das Universum macht keine Fehler und je krasser sich die Dinge im Außen zeigen, desto schneller stirbt ein krankes System und etwas Neues kann entstehen. Daran glaube ich und darauf freue ich mich.


In der Biographie Hellingers entdeckte ich viele Parallelen zur jetzigen Zeit. Bei der Beschäftigung mit Aufstellungen ist mir nicht entgangen, dass die Methode als auch die Person Hellinger in Kritik geraten war. Als sich eine Klientin 1997 nach einer Aufstellung bei ihm das Leben nahm, wurde seine Methode als gefährlich bezeichnet. Später warf man ihm faschistisches Gedankengut vor. In seiner Autobiographie sind die Vorwürfe natürlich nur aus der Sicht Hellingers geschildert. Er schreibt, dass er sich schon als Jugendlicher gegen das Nazi-Regime auflehnte ebenso wie seine Eltern und dass ihm als Volksschädling das Abitur aberkannt werden sollte und er bei einem Sieg der Nazis zum Tode verurteilt gewesen wäre. Später absolviert er eine Therapieausbildung bei Igor Caruso, der im Euthanasie-Programm der Nazis tätig war, wie sich später herausstellte. Hellinger gibt an, während der Ausbildung nichts davon gewusst zu haben.


Mir fiel in den letzten Monaten immer wieder auf, dass Menschen, die sich mit ihrer eigenen Natur rückverbinden und für eine natürliche archaische Lebensweise im Sinne der psychischen Gesundheit plädieren, mit rechtsradikalem Gedankengut in Verbindung gebracht werden.


Es zeigten sich in Aufstellungen immer gewisse Rangordnungen, die Hellinger dann als die Ordnungen der Liebe bezeichnete. Diese zeigten, dass ältere Systeme Vorrang vor Neueren haben, dass Eltern ihren Kindern vorgeordnet sind und der Mann der Frau. Letzteres stößt in unserer modernen emanzipierten Welt nicht selten auf Widerstand, denkt man vermutlich an Unterdrückung und Ungleichberechtigung durch Männer. Tatsächlich sind diese Rangordnungen nicht wertend gemeint, so enthält die Rangordnung von erstem, zweiten, dritten und viertem Kind keinerlei Wertung, sondern lediglich eine natürlich festgelegte Rolle im Familiensystem. Mir fällt in diesem Zusammenhang das Beispiel von Eva Herman ein, die die natürliche Rolle der Frau in der Kinderpflege in den ersten Jahren erkannt hat und nicht nur von Feministinnen angegriffen wurde, sondern in der öffentlichen Meinung mit nationalsozialistischem Gedankengut in Verbindung gebracht wurde, was zur Kündigung ihrer Tätigkeit im öffentlichen Rundfunk führte. Ich habe die öffentliche Diskussion damals über Hermans Buch "Das Eva-Prinzip" nicht bewusst verfolgt. Dass ich nun selbst noch Zeitzeuge werden sollte, ahnte ich auch nicht. Denn ich verfolge zum Beispiel die Inhalte von Gunnar Kaiser und anderen Journalisten, die nun auch beschuldigt werden rechtsradikale Ansichten zu vertreten. Ich sehe allerdings nichts dergleichen.


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Die Vorwürfe gegen Hellinger bezogen sich dann gar nicht einmal auf seine Ordnungstheorien beziehungsweise die Rolle der Frau. Ihm wurden stattdessen Passagen über Hitler in seinem Buch vorgeworfen sowie die Tatsache, dass er 2004 übergangsweise zur Miete in der ehemaligen Kleinen Reichskanzlei, der Dienststelle Hitlers in Berchtesgaden wohnte und dass seine Initialen auch AH sind, Hellinger hieß nämlich mit bürgerlichem Namen Anton. Die Passagen über Hitler zitiert er in seiner Biographie und für mich hat das überhaupt nichts mit rechtsradikalen Ansichten gemeinsam.


Ich habe den Eindruck, dass die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit in Deutschland auf einem sehr oberflächlichen Niveau stattfand. Wenn der Name Hitler außerhalb des Geschichtsunterrichts auch nur erwähnt wird, blockt der anständige Deutsche sofort ab und geht in die Defensive. Leichter ist es Hitler und seine Anhänger als den Inbegriff des Bösen zu bezeichnen als Menschen mit Anteilen wie du und ich. Das, was jahrzehntelang unterdrückt wurde, kommt gerade mit voller Wucht an die Oberfläche geschossen.


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Denn was sich in Familienaufstellungen zeigt, ist nicht eine Ansicht oder Meinung, sondern die ans Licht gekommene Wirklichkeit und Wahrheit. Ob die anderen passt oder nicht, ist mir immer egal gewesen.

Bert Hellinger, (Mein Leben. Mein Werk, S. 49)


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