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epikurs gastrosophie

Epikur ist Begründer einer Philosophie, die Freude und Lust am Leben in den Mittelpunkt stellt. Eine Philosophie die weitaus tiefgründiger ist, allerdings von vielen verkannt und fehlinterpretiert wurde. Schlemmer oder Schwabe, das ist hier die Frage!


Zunächst sollten wir klären, was Lust für Epikur bedeutete. Das vom Menschen angestrebte "höchste Gut" definiert er als Abwesenheit von körperlichem Schmerz und seelischer Unruhe. Nach dieser Definition lässt sich ein Lust erfülltes Leben bereits mit einfachsten Mitteln verwirklichen, zum Beispiel mit einem Stück Brot, das den Schmerz des Hungers beseitigt. Epikur macht sich unabhängig von Luxusprodukten, indem er nicht leidet, wenn sie nicht verfügbar sind. Freilich wird er sie aber nicht ablehnen, wenn sie sich ihm anbieten. Wie bei den Schwaben, sofern sie kostengünstig hergehen. Ein vernünftiger Umgang mit Alkohol ergibt sich aus dem beschriebenen Lustkalkül.


Es geht allerdings nicht nur um die Abwesenheit von Schmerzen, sondern auch von seelischer Unruhe. Epikur möchte niemandem schaden, da es seine Seelenruhe beeinträchtigen würde. Um diese Anforderung in die Praxis umzusetzen, muss sich der Konsument mit den angebotenen Produkten auseinandersetzen, um beurteilen zu können, welche Folgen sein Einkauf hat, bzw. welche Produktionsmethoden er unterstützt. Dies sollte er nach bestem Wissen und Gewissen tun. Der Einkauf ist ein wesentlicher Teil des kulinarischen Prozesses. Wird er nach den genannten Kriterien vollzogen, ist bereits ein wichtiger Beitrag zu einem größtmöglichen Genuss geleistet.


Epikur soll in seinem Garten Nutzpflanzen zur Selbstversorgung angebaut haben. Diese Nähe zum Produkt ist ganz im Sinne der gastrosophischen Bewegung um Carlo Petrini, der mit dem Slow-Food-Gedanken weltweite Bekanntheit erlangt hat und besonders die ethischen Aspekte der Nahrungsmittel und ihrer Produktion betont. Bemerkenswert finde ich, dass damals nicht nur die Anbaumethoden bereits Thema waren, sondern auch die Regionalität der Produkte: "Man soll nicht aus Gier nach fernen Gütern die nahen gering achten, sondern bedenken, daß auch diese einmal zu den sehnlich erwünschten gehört haben."


Ich halte Epikurs Ansatz für sehr interessant und zeitgemäß, denn Menschen reagieren auf vegetarische oder gar vegane Ernährung oftmals ablehnend, da sie um ihren Genuss fürchten. Wenn man dann auch noch auf die Produktionsbedingungen, Regionalität und nachhaltige Verpackung der Lebensmittel achten soll, muss die Lust ja zwangsläufig auf der Strecke bleiben.


Epikur kehrt diese Theorie ins Gegenteil um. Durch die Gewöhnung an einfache Rezepte werden unsere Sinne geschärft, also sensibilisiert, über die Desensibilisierung habe ich auch schon einen Bericht geschrieben. Für mich ist ein Pastateller mit einer einfachen Sauce aus frischen Tomaten im Sommer inzwischen ein Hochgenuss wie für viele andere vielleicht Schnitzel mit Pommes. So ein Pastateller kann nur noch mit geriebenem Grana Padano oder auch Grana Vegano getoppt werden, was vielleicht ein Geschmackserlebnis ist, das viele omnivore desensibilisierte Menschen gar nicht kennen. Selbstverständlich kommt es beim Pastateller auf die Auswahl der Zutaten an. Die Nudeln sind ohne Eier, aber von bester Qualität, also langsam bei niedriger Temperatur verarbeitet und getrocknet. Hat man im Sommer sonnengereifte Tomaten aus dem eigenen Garten zur Verfügung braucht es nicht mehr viel:


ZUTATEN


Frische Tomaten aus dem Garten

Knoblauch

Basilikum vom Balkon

(evtl. Peperoncino)

Schuss Olivenöl von sehr guter Qualität, erst ganz am Ende über die Sauce geben

Kapern (in Wasser eingeweicht)

(Salz ist nicht nötig, wenn die Kapern in Salz eingelegt waren)



Die schwäbische Küche ist im Vergleich zur italienischen tierisch mächtig, da man sich für die Kälte und schwere Arbeit stärken muss. Dem schwäbischen Linseneintopf verleihe ich eine mediterrane Leichtigkeit, indem ich statt Wiener und Spätzle Kartoffel und Paprika zugebe.


ZUTATEN


braune Linsen (Bio Alb-Leisa von der Schwäbischen Alb)

Kartoffel aus dem eigenen Garten

rote Paprika aus dem eigenen Garten

Zwiebel

Knoblauch

süßes Paprikapulver

Salz und Pfeffer

Öl



Auch wenn man bei einer einfachen Küche eher an die schwäbische als an die italienische denkt, muss ich doch feststellen, dass die italienische Küche näher an Epikurs Gastrosophie ist, denn die Gerichte bestehen aus wenigen einfachen Zutaten von bester Qualität. Nach einem Pastateller gönnt sich der Italiener durchaus ein hochwertiges Rindersteak, das er ohne Beilage und Sauce genießt.

Die Schwaben ertränken doch lieber Fleisch samt Beilage in einer Rahmsauce und ihre Lust ist indirekt proportional zum Preis der Zutaten.


Lust und Glück beim Essen werden im Food-Magazin eat.de im Vordergrund stehen, das demnächst online gehen wird. Ich bin schon sehr gespannt darauf und werde sicher öfter mal reinschauen um mich inspirieren zu lassen.


Wem wenig nicht genügt, dem genügt nichts.

Epikur, 341 - 270 v. Chr.


Quelle:

http://delix.biz/flash/download/2011delix_texte_jc12_epikurs.pdf



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