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ein geschenkter gaul ist auch was wert

Ich habe das Gefühl die kostenlosen Angebote im Internet nehmen zu, vielleicht durch Corona noch mehr, jedenfalls fällt es mir in letzter Zeit vermehrt auf. Ich bin - wie die meisten älteren Menschen - durchaus skeptisch was solche Angebote betrifft. Jeder ist wahrscheinlich schon mal in eine Abofalle getreten, früher bei Zeitschriftenprobeabos, bei denen im Kleingedruckten stand, dass man in einem gewissen Zeitraum kündigen muss, sonst verlängert sich das Abo automatisch. Man rechnet also bei jedem kostenlosen Angebot mit irgendeinem Haken, auf dem schließlich das Geschäftsmodell basiert. Es gibt aber auch Geschäftsmodelle, die auf einem gängigen Denkfehler der Menschen beruhen. Probiert ihr gerne im Supermarkt ein neues Produkt, das Euch gratis angeboten wird? Selbst ich als Schwäbin bin schon öfter vorbei gegangen, weil es mir anschließend peinlich ist nichts zu kaufen und mich sogar ein schlechtes Gewissen plagt, ich mir fast wie ein Schmarotzer vorkomme, obwohl es mir doch kostenlos angeboten wurde. Solche Probieraktionen spielen mit dem schlechten Gewissen der Menschen. Viele kaufen aus einer falschen Motivation heraus, richtig wäre, das Produkt nur zu kaufen, wenn man wirklich davon überzeugt ist und selbst wenn nur die kaufen würden, die das Produkt begeistert hat, hätte sich die Probieraktion schon refinanziert.


Wie funktioniert das denn nun im Internet? Spielt das schlechte Gewissen auch eine Rolle, obwohl man dem Verkäufer nicht persönlich gegenüber steht?

Viele Angebote im Internet bekommt man gratis gegen Angabe seiner Email-Adresse ohne kündigen zu müssen. Das schreckt schon viele Menschen ab, da sie fürchten von diesem und anderen Anbietern Werbung und Spam-Emails zu erhalten. Ich habe immer noch sehr wenige Abonnenten meines Blogs, sicherlich aus diesem Grund. Es steht natürlich jedem frei, ohne Email-Erinnerung die Seite regelmäßig aufzurufen. Ich persönlich habe viele Blogs abonniert, da ich sonst nicht regelmäßig darauf schaue und ich davon ausgehe, dass andere Blogbetreiber - wie ich - die Adressen nicht verkaufen. Viele verwenden die Email-Adressen natürlich für Werbung in eigener Sache, das nennt man heutzutage Affiliate Marketing. Dadurch dass man in Vorleistung geht, dem Kunden kostenlos eine Leistung, wie z.B. ein e-book oder einen Onlinekurs zur Verfügung stellt und dieser somit einen Eindruck von der Qualität der Leistung erhält, wird Vertrauen aufgebaut. Der potentielle Kunde bekommt den Eindruck, dass es dem Anbieter nicht nur um schnelles Geld geht, sondern dass er seinerseits großzügig ist, was man honorieren möchte. Der Idealfall ist natürlich, dass man einen Bedarf hatte und bei diesem Anbieter ein passendes Produkt gefunden hat, von dem man sich durch eine Kostprobe überzeugen konnte.


Der Hypnose-Coach Alfred Himmelweiss bietet seit April täglich eine kostenlose Hypnose via Zoom an, worüber ich in dem Beitrag diy-zufriedenheit bereits berichtet habe. Das Angebot wird nur von wenigen Leuten genutzt, nicht einmal von Menschen, die ein kostenpflichtiges Seminar bei ihm buchen. Es ist natürlich wie so oft im Leben, dass kostenlose Dinge nicht geschätzt werden und gerade bei Hypnose spielt der Preis für die Wirksamkeit eine nicht unwesentliche Rolle. Andererseits ist es gerade bei Hypnose wichtig, dass man Vertrauen zum Hypnotiseur hat und da bietet dieses kostenlose Zoom-Format eine wunderbare Möglichkeit eine persönliche Beziehung aufzubauen.


Ich habe in den letzten Monaten nicht nur das Angebot von Alfred Himmelweiss dankbar in Anspruch genommen, sondern auch viele kostenlose Meditationen, Hörbücher und Erklärvideos auf youtube genutzt. Dafür gebe ich gerne meine Email-Adresse preis. Das ist die neue Währung im Netz.


Die Herausforderung heutzutage ist nicht nur ein Überangebot an Informationen, sondern auch an kostenlosen Angeboten. Nützliches von Unnützlichem zu unterscheiden kostet Zeit, was wiederum ein sehr kostbares, rares Gut ist. Daher ist es durchaus sinnvoll und erlaubt, auch einem geschenkten Gaul ins Maul zu schauen. Ich gehe davon aus, dass Menschen den Preis für sich entscheiden lassen. Der Grundgedanke dahinter ist: Je teurer desto besser wird das Angebot sein und desto optimaler und qualitativer nutze ich folglich meine knappe Zeit, ganz nach dem Motto: Das Leben ist zu kurz um billigen Wein zu trinken. Trifft oft, aber nicht immer zu, wie bei allem im Leben. Wenn es eine allgemein gültige Formel geben würde, wäre das Leben ja leicht und langweilig.


Arme Leute schenken gern.

Marie von Ebner Eschenbach, 1830 - 1916, österreichische Autorin



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