dumpstern statt hamstern

Aktualisiert: Apr 15

In München hat sich in den letzten Jahren ein ökologisches Bewusstsein entwickelt, so dass man nur noch selten belächelt wird, wenn man mit eigenen Taschen zum Bäcker oder auf den Markt geht. In Italien bin ich mit meinen Stoffbeuteln und Dosen auf dem Wochenmarkt noch ein Exot und die Verkäufer sind leicht überfordert mit dem Abwiegen der Dosen und sagen sich mit Sicherheit: Oh nein, die Ökodeutsche kommt wieder mit ihren Dosen! Jetzt zu Zeiten von Corona nehme ich aus hygienischen Gründen schweren Herzens Tüten an. Der Wochenmarkt wurde bereits seit einigen Wochen eingestellt, aber glücklicherweise gibt es noch zwei Marktstände, die täglich vormittags da sind. Auf dem Markt einkaufen ist schließlich ein völlig anderes Lebensgefühl als in einem unpersönlichen Supermarkt. Vor ein paar Tagen bin ich nachmittags mit dem Hund dort vorbei gelaufen, wo vormittags die Marktstände stehen und habe einige Plastikkisten teilweise voll mit Gemüseresten stehen sehen, das nur teilweise Druckstellen hatte. Kurze Zeit später kam ein Müllwagen, der das komplette Gemüse samt Kisten beseitigte. Ich war fassungslos, nicht nur über das gute Gemüse, sondern vor allem über die stabilien Plastikkisten, die täglich weggeworfen werden. Ich beobachte das Schauspiel jetzt seit einigen Tagen und es werden täglich eine Vielzahl an diesen Plastikkisten einfach weggeworfen. Kein Wunder, dass mich die Verkäufer mit meinen Stofftaschen belächeln! Inzwischen hole ich mein Gemüse erst nach Marktende um den Kistenwahnsinn nicht mehr finanziell zu unterstützen.


In Deutschland ist es Großkonzernen erlaubt Müll als Lebensmittel zu verkaufen, was umgekehrt nicht bedeutet, dass man Lebensmittel aus dem Müll nehmen darf. Daher rufe ich hier nicht zum Containern oder Dumpstern sondern zu #Foodsharing auf. Registriert euch auf der foodsharing-Plattform oder in einer foodsharing-Gruppe auf nebenan.de. So kann man wunderbare Lebensmittel vor der Tonne retten und vielleicht hilft es dem einen oder anderen derzeit auch finanziell. Ich hatte bisher ein gutes Gefühl die Marktverkäufer zu unterstützen, allerdings ist der Lebensmittelhandel eine der wenigen Branchen, die von der #Coronakrise nicht betroffen ist und sogar profitiert durch die #Hamsterkäufer, die ihre riesen Einkäufe teilweise wieder wegwerfen müssen.



Heinz Nitschke (*1943), Diplom-Ingenieur FH




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