der kopf ist rund

Ich habe bereits mehrere Beiträge zum bedingungslosen Grundeinkommen geschrieben. Jetzt habe ich vielleicht erst verstanden, warum dieses Konzept für Menschen so schwer zu verstehen ist. Der langjährige Befürwörter des Grundeinkommens und dm-Gründer Götz Werner geht davon aus, dass es zwei Menschenbilder gibt. Das von sich selbst und das von den anderen, die man antreiben muss oder mit Geld erpressen muss, damit sie aus dem Bett kommen.


Ich glaube, dass die Menschen eher von sich selbst ausgehen und sich aus diesem Grund nicht vorstellen können, wie das funktionieren soll. Ich wage nämlich zu behaupten, dass der Großteil der Menschen morgens ungern aufsteht und gar nicht mehr zur Arbeit gehen würde, wenn er es aus existentiellen Gründen nicht müsste. Wie soll dann überhaupt noch jemand zur Arbeit gehen und wie sollen die systemrelevanten Arbeiten abgedeckt werden, wenn es ein Grundeinkommen gäbe?


Ich mache gerade den Selbstversuch und tue einfach so, als hätte ich ein bedingungsloses Grundeinkommen für ein Jahr, d.h. ich habe meine Ausgaben auf ein Minimum reduziert und lebe von meinen Ersparnissen und mache jeden Tag einfach das, was ich will, ohne daran zu denken, wie ich wieder Geld verdienen könnte und was irgendwer von diesem Lebensstil denken könnte. So bin ich zum Schreiben gekommen und habe meine Kreativität wiederentdeckt. Ich habe verstanden, dass ich bisher immer aus falscher Motivation heraus gehandelt habe, aus Existenzangst, aus Angst aus dem System zu fallen, aus Angst vor dem Urteil anderer. Mit einem starken Willen kann man auch erfolgreich sein, das kostet allerdings unheimlich viel Kraft und man wird niemals Menschen berühren können und zufrieden sein, mit Tätigkeiten, die nicht einem Selbst entsprechen.


Hartz IV ist faktisch ein Grundeinkommen, allerdings mit einer völlig anderen Wirkung auf Menschen. Die Empfänger fühlen sich stigmatisiert und nicht mehr als Teil der Gesellschaft. Das ist alles andere als ein Nährboden für Kreativität. Wir sind ein Volk von Dichtern und Denkern blockiert durch Existenzängste. Wenn wir diese Ängste ablegen können, wird ein unglaubliches Potenzial in uns zum Vorschein kommen, denn in jedem Einzelnen von uns ist so viel mehr vorhanden. Dann geht es nicht mehr darum, Geld zu verdienen, sondern um die Verwirklichung der Lebensaufgabe.



Eine gute Idee erkennt man daran, dass die Menschen sagen, das ist überhaupt nicht durchführbar.

Götz Werner, dm-Gründer


Quelle:

https://www.youtube.com/watch?v=O3LNMSom-dc


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