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aus dem system gesprungen

Schon als Jugendliche wollte ich Fallschirmspringen. Mich haben wilde Achterbahnen und alles was mit Höhe und Fliegen zu tun hatte immer fasziniert. Bungee Jumping war damals auch schon sehr verbreitet, ich wollte allerdings lieber aus einem Flugzeug springen. Je höher desto besser. Als ich 18 war, sagte meine Mutter, ich sollte doch erst das Abitur machen vor dem Fallschirmsprung. Nach dem Abitur ergab sich dann die Gelegenheit nicht mehr oder besser gesagt, es war mir nicht mehr so wichtig. Mit Ende 20 erinnerte ich mich wieder an meinen Jugendtraum und kaufte mir selbst einen Gutschein für einen Fallschirmsprung. Je länger der Gutschein zuhause in der Schublade lag, desto größer wurden meine Bedenken und ich dachte, wenn ich den Sprung nicht wage bevor ich 30 bin, traue ich mich vermutlich nicht mehr. Denn mit jedem Jahr nahm die jugendliche Abenteuerlust ab und die Sorgen und Ängste nahmen zu. Ich habe mir natürlich auch überlegt, warum ich das machen möchte. Ich hatte gehofft, dass ich durch diese Konfrontation mit dem Tod in anderen Situationen weniger Ängste und generell ein größeres Selbstvertrauen hätte. Kneifen kam also nicht in Frage, ich hatte ja schließlich viel Geld bezahlt und so vereinbarte ich einen Termin.


Am 11. September 2011 war es dann endlich so weit. Ich war im Vorfeld durchaus aufgeregt, aber die Freude und Neugier überwogen. Ich war gespannt, wann die Todesangst und Panik kommen würde. Spätestens im Flieger, festgegurtet an meinen Tandempartner, gab es kein zurück mehr. Mein Tandempartner strahlte die Selbstsicherheit aus, die ich gerne nach dem Sprung gehabt hätte und so viel es mir nicht schwer, ihm die Verantwortung für mein Leben zu übertragen. Ich musste nicht mal loslassen oder mich fallen lassen, er hat alles für mich übernommen. Das schwerelose Gefühl in der Luft ist atemberaubend schön. Mein Körper hat mit Sicherheit sehr viel Adrenalin freigesetzt, denn ich war anschließend so müde wie noch nie. Die erhoffte Todesangst blieb allerdings aus.


Inzwischen habe ich verstanden, dass man Todesangst nicht bei Jochen Schweizer kaufen kann, außer man leidet unter Höhenangst. Den Sprung mit Todesangst habe ich nun nachgeholt ohne Jochen Schweizer und ohne soziales Netz, das mich auffängt. Der Sprung aus dem Sozialsystem in eine ungewisse Zukunft fiel mir um einiges schwerer als der Sprung aus dem Flieger mit einem Fallschirmprofi im Nacken, der zu diesem Zeitpunkt bereits 300 erfolgreiche Sprünge hinter sich hatte, ich habe noch keinen einzigen erfolgreichen Sprung hinter mir.


Sich auf seine Intuition zu verlassen bedeutet von einem Felsen zu springen und zu wissen, da ist ein Netz, das man nicht sieht. Der Verstand muss das Netz sehen.

Maja Nowak, Psychotherapeutin und Heilerin

Quellen:

https://www.mischa-miltenberger.de/herausgefallen-aus-dem-system/


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