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alt werden ist nichts für feige

Aktualisiert: Mai 10

Im Frühling erwacht nicht nur das Leben, es ist manchmal auch die Zeit um Abschied zu nehmen. Vor ein paar Tagen mussten wir feststellen, dass unser wunderschöner großer Feigenbaum tot ist. Wir hatten schon bemerkt, dass alle anderen Feigenbäume bereits Blätter und Früchte tragen, während dieser noch kein einziges Blatt hat. Bisher sind wir davon ausgegangen, es wäre eine späte Sorte, niemals dachten wir daran, dass er den Winter nicht überlebt haben könnte. Wir haben schon überlegt, wie wir eine Hängematte daran befestigen können und ich sah mich schon sitzend am Tisch reife Feigen pflücken, die Äste des riesigen Baums reichen nämlich bis zu unserem Esstisch. Im März verwendeten wir noch viel Zeit und Mühe um ihn zurückzuschneiden und da war er definitiv noch nicht verdorrt. Es scheint als hätte er die letzten kalten Tage im April nicht überlebt. Unfassbar, dass gerade der größte Baum, der sehr windgeschützt ist, der Kälte zum Opfer gefallen ist. Es scheint als hätte ihn Jesus verflucht, wie im Markusevangelium vor der Tempelreinigung.


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Wir haben noch weitere Feigenbäume und es wachsen überall wilde Feigen, an Früchten wird es uns vermutlich nicht mangeln, zumal Feigen bis zu dreimal im Jahr Früchte tragen können. Dieser Baum war aufgrund seiner Größe und Form sehr beeindruckend und dekorativ, daher schmerzt mich sein Verlust. Es könnte sich allerdings bald herausstellen, dass er uns mit seinem Ableben sogar einen Gefallen getan hat und uns eine Entscheidung erleichtert hat. So ist es übrigens mit allen Dingen im Leben, manchmal dauert es nur länger bis sich die Chancen ergeben und man muss sie natürlich auch als solche erkennen.


Als Imker ist man es gewohnt Abschied im Frühling zu nehmen, denn es gibt eigentlich keinen Winter, in dem alle Völker durchkommen. Es kommt natürlich darauf an, wie viele Völker man hat, bei einer weltweiten durchschnittlichen Bienensterblichkeit von 50% ist die Wahrscheinlichkeit groß, auch wenn man nur zwei Bienenvölker hat. Imkerei ist also nichts für feige!


Das Wort "feige" im Sinne von mutlos, ängstlich hat nichts mit dem Baum zu tun. Das Wort wurde aus dem mittelhochdeutschen "feigja" für todgeweiht abgeleitet. Zunächst hatte es die Bedeutung "sich verhalten wie ein Todgeweihter". Später verwendete man es im Sinne von "vor einer Gefahr zurückschrecken". Die Definition von Feigheit auf Wikipedia finde ich auch interessant: "Feigheit ist eine kritisch gesehene vorwerfbare Neigung, sein Handeln durch Angst oder Furcht bestimmen zu lassen. Feigheit wird als ein seelischer Zustand beschrieben, in dem eine Person sich aus Furcht vor einer Gefahr, einem Verlust, vor Schmerz oder Tod einer Aufgabe nicht stellt." Heutzutage wird eine solcher Zustand als normal betrachtet. Wir treffen fast nur noch Entscheidungen aus Angst.

In diesem Zusammenhang fällt mir der Spruch eines Freundes ein: "Alt werden ist nichts für Feiglinge." Nur blöd, dass gerade Feiglinge alt werden, weil sie ja jeder Gefahr ausweichen und dann noch aufgrund ihrer Angst sämtliche Krankheiten haben.


Unsere Feige ist feige - dem Tode geweiht.


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Wer Probleme mit dem Tod hat, hat auch Probleme mit dem Leben und zwar mit seinem eigenen.

Andrea Erhard



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